Digitale Vorsorge & Nachlass

-Mein digitales Erbe -

Wer behält die Schlüssel, wenn der Vorhang fällt?

Es ist ein Thema, das viele gerne verdrängen, doch die Resonanz im Roten Kreuz Haus war eindeutig: Das Interesse am „digitalen Nachlass“ ist gewaltig. Unter der Moderation von Karl-Heinz Maas und mit Experte Konrad Schmitt vom Seniorenbüro Miltenberg als Referenten, war der Raum der „Spätlese“ bis auf den letzten Platz besetzt. Die Erkenntnis des Vormittags: Vorsorge geht heute weit über das klassische Testament hinaus.

Wenn Daten zu Geisterspuren werden

Was passiert mit dem Facebook-Profil, wer kündigt das Streaming-Abo und wie gelangen Erben an PayPal-Guthaben? Konrad Schmitt brachte es auf den Punkt: „Ohne Vorsorge drohen den Hinterbliebenen nicht nur emotionale Belastungen, sondern handfeste finanzielle Risiken.“ Laufende Kosten durch unentdeckte Abos summieren sich schnell zu Mahngebühren, für die Erben haften. Zudem warnte er vor Missbrauch: Ohne Zugriff der Angehörigen könnten Konten gehackt oder Bilder für Betrugszwecke missbraucht werden.

Digitale Fitness durch die „App-ler“

Dass Niedernbergs Senioren technisch nicht allein gelassen werden, zeigt die Arbeit der „App-ler“. Die Initiative bietet gezielte Unterstützung: In Workshops für Anfänger und Fortgeschrittene wird der Umgang mit dem Smartphone Schritt für Schritt vermittelt. Ergänzend gibt es die monatliche „Babbelsprechstunde“ für individuelle Alltagsprobleme. Das Team um Karl-Heinz Maas, Ingrid Kösterke, Wolfgang Riemann und Jürgen Dreier orientiert sich dabei flexibel an den Wünschen der Teilnehmer.

Vom Passwort-Dschungel zur „Stahlbetontür“

Ein weiterer Schwerpunkt war die aktuelle Sicherheit. Viele nutzen riskanterweise identische Passwörter. Schmitt empfahl Passwort-Manager als digitalen Tresor. Die Zukunft gehöre jedoch den „Passkeys“. Schmitt verglich diese Technik mit einer „40-cm-Stahlbetontüre mit Irisscanner“: Statt kryptischer Zeichen erfolgt die Anmeldung sicher über Biometrie wie Fingerabdruck oder Gesichtserkennung.

Die To-Do-Liste für den Ernstfall

Für eine gelungene Vorsorge erhielten die Teilnehmer konkrete Werkzeuge. Der erste Schritt ist eine Liste aller Accounts. Das Seniorenbüro stellte hierfür Vorlagen für „Digitale Konten“ bereit – von Finanzen bis Smart-Home. Der wichtigste Rat: Bestimmen Sie eine Vertrauensperson und regeln Sie den Zugang zum Passwort-Manager. Nur so bleiben Erben handlungsfähig.

Am Ende blieb ein beeindrucktes Publikum zurück. Karl-Heinz Maas resümierte treffend, dass digitale Vorsorge ein Akt der Fürsorge für die Hinterbliebenen sei. Der Applaus im Saal unterstrich: Das Thema ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

 

 

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